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„Ein Rad muss sitzen wie ein Schuh“
Vom einfachen „Drahtesel“ bis zur Hightech-Rennmaschine

Nichts verdeutlicht die rasante Entwicklung des Fahrradmarktes mehr als der Blick in den Verkaufsbereich. Einfach nur Radfahren – das war gestern. Heute liegen Cross- und Trekkingräder bis hin zur Rennmaschine mit allen möglichen Schnickschnack im Trend. Zu bestaunen und zu kaufen bei Hans und Gudrun Tippenhauer, die mit ihrem Geschäft „Tippenhauer-Zweiräder“ silbernes Jubiläum feiern.

Die beiden Radenthusiasten laden Kunden, Freunde und Geschäftspartner am Samstag, 17. März, in der Zeit von 9 bis 19 Uhr zum Tag der offenen Tür an den Hellweg 1 in Blomberg ein, um das „runde Ereignis“ in gebührendem Rahmen zu begehen. Für das leibliche Wohl ist dabei ausreichend gesorgt. Es gibt Sekt, Kaffee und Kuchen, zudem stehen ein Getränke- und ein Bratwurststand bereit.

Das sich die Welt der Drahtesel einmal so komplex darstellen würde, hätten sich Hans und Gudrun Tippenhauer bei der Gründung ihres Unternehmens am 1. März 1982 am Hohenrenner Weg 1 kaum träumen lassen. Gudrun Tippenhauer erinnert sich: „Ich habe vorher in einer Bank gearbeitet und wusste deshalb, wie schwer ein Start in die Selbstständigkeit ist. Aber mein Mann braucht immer dreckige Finder. So haben wir uns damals in dieses Abenteuer gestürzt.“

Und dieser Start fiel in eine Zeit, als es beim Fahrrad gerade zu deutlichen Umstellungen kam. Gudrun Tippenhauser: „Man furh noch ohne Schaltung oder höchstens mit Drei-Gang-Schaltung. Dann ging es jedoch mit dem Sprung auf fünf Gänge oder eben auch mehr los.“ Damals bildeten Mofa, Moped und Roller noch den Verkaufsschwerpunkt.

Nach einer zweijährigen Kooperation mit Blombergs Altbürgermeister Heinrich-Fritzemeier und dessen Ehefrau Christa – sie besaßen ein kleines Fahrradgeschäft – übernehmen die Tippenhauers schließlich deren Restbestand. Später kamen dann Rasenmäher dazu. Inzwischen gibt es „Tippenhauer-Zweiräder“ am neuen Standort Hellweg 1, an dem auch die Söhne Timo, Gero und Simon mithelfen. dort kommt der Werkstatt neben dem Verkaufsbereich eine wichtige Bedeutung zu. Hans und Gudrun Tippenhauer: „Brauchte man früher sozusagen nur das Lenkrad gerade zu machen, so werden die Fahrräder heute nur noch vormontiert angeliefert. Da ist eine eigene Werkstatt dann das A und O.“

Somit kann der Kunde, wenn er sich seinen fahrbaren Untersatz bei Tippenhauers kauft, gleich losfahren. „Er sollte allerdings nach 200 bis 300 Kilometern noch einmal zur Inspektion zu uns kommen. Dies sollte im Interesse der Fahrsicherheit unbedingt gemacht werden und gehört bei uns zum Service, auf den wir großen Wert legen, dazu.“ Nach Auskunft der beiden Blomberger Geschäftsleute ist der motorisierte Bereich seit etwas zehn Jahren rückläufig. Mittlerweile wird nur noch der Piagio-Roller (Vesper) angeboten. Was allerdings angebotsmäßig zunimmt, sind Fahrräder mit Tretunterstützung (Hilfsmotor). Hans und Gudrun Tippenhauer: „So etwas gab es früher noch nicht. Diese Fahrräder werden sehr gerne von älteren Kunden gefahren.“

Der eingebaute Akku hat – je nach Leistungsstärke – eine Reichweite von etwas 100 bis 130 Kilometern. Man kann diese Fahrräder ohne Kfz-Kennzeichen fahren. Dies wäre allerdings bei einem Elektro- oder Motorbetrieb vorgeschrieben.

Die Angebotspalette bei Fahrrädern – dazu gehören natürlich auch Kinder- und Jugendräder – umfasst bei „Tippenhauer-Zweirad“ vorwiegend Modelle von Markenfirmen wie Kettler, Hercules, Giant und Stevens (Cross- und Sportbereich). Ideal für das Lipperland sind City- und Tourenräder mit ihren sieben bis neun Gängen (Rücktritt). Das so genannte Reisefahrrad ist länger, weil es eine andere Rahmengeometrie hat. Cross- und Trekkingräder sind dagegen kürzer. Bei ihnen sitzt man aufrechter, sie sind deshalb nicht so sportlich. Beim Renn-, Cross- und Mountainbikebereich (MTB) wird mit Einzelaufbauten, also im Baukastenprinzip, gearbeitet. Dort werden die Räder zu 95 % individuell nach den Wünschen des Käufers ausgeliefert. Ansprechpartner hierfür sind Hans Tippenhauer und sein Mitarbeiter Friedo Rieck.

Das Preissegment für gute Fahrräder startet bei rund 300 Euro. Nach oben hin sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Weiterhin gehören bei den Tippenhauers zur Angebotspalette das Zweirad-Zubehör einschließlich Kleidung, aber auch Artikel aus dem Heimtrainerbereich. Nach wie vor zählt zudem der Lieferservice zu den Stärken des Unternehmens – auch, wenn dies nicht mehr ganz so stark nachgefragt wird.

Auf eines sind Hans und Gudrun Tippenhauer ganz besonders stolz: „Wir haben Speichen, Naben und Felgen einzeln liegen und bauen diese dann zusammen. Diese Flexibilität gilt auch für Lenker und Sattel. Deshalb halten unsere Räder auch sehr lange. Bei uns lautet das Geschäftsprinzip: Ein Rad muss sitzen wie ein Schuh.“

Übrigens: Anlässlich ihres Geschäftsjubiläums halten die Tippenhauers für ihre Kunden bis Ende März ein spezielles Angebot bereit: Es gibt mehr Prozente als sonst.

Quelle: Lippische Landes-Zeitung (lz-online.de) 

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